![]() |
![]() |
![]() |
|---|
Buchtitel:
„Die Dinner Party“ von Viola van de Sandt.
Übersetzt aus dem Englischen von Heike Reissig.
Erschienen am 30.03.2026 bei Pola (Bastei Lübbe).
Originaltitel: „The Dinner Party“, erschienen bei Little, Brown and Company.
Worum geht’s?
Franca zieht Andrew zuliebe von Utrecht nach England, doch das Idyll beginnt schnell zu bröckeln. Als sie auf seinen Wunsch eine Dinnerparty für seine Kollegen ausrichtet – mitten in einer flirrenden Hitzewelle, der Kühlschrank streikt, der Alkohol fließt – spitzen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem Abend zu, der alles verändert. Als lang verdrängte Wut in ihr aufsteigt, verliert Franca die Kontrolle …
Ein Roman mit Sogkraft über Grenzen, Wut und Selbstbefreiung
Stimmen:
“The combination is sometimes jarring, like two different recipes spliced together, but this formidable debut offers plenty to savour” — The Guardian
“A powerful story of a woman’s suppressed rage that manifests over the course of one disastrous evening (…) raw emotion and legitimate anger at the core of ‚The Dinner Party.‘ Van de Sandt’s exploration of the countless ways women diminish themselves so that the men in the room can take up space remains urgent, and Franca’s story, terrifyingly real” — New York Times Book Review
“Raw, compassionate, and compelling—what a beautiful world we live in where a book can be messy and tender all at once” — LitHub
“A blistering debut” — Marie Claire (UK)
“A diabolical twist is delivered on a silver platter (…) Viola Van de Sandt’s The Dinner Party is an interrogation of class, consent, and gender roles that’ll have you asking for seconds” — Marie Claire (US)
“A can’t-put-down tale of female rage and body autonomy” — Town & Country
“An intoxicating tale (…) Viola van de Sandt’s debut novel is a powerful, provocative […] study of female rage unleashed” — The Scotsman & The Herald
“It examines themes of love and autonomy, grief and female rage (…) an unflinching read” — The Mirror and The Express (Best November Reads)
„Ein eindrücklicher Roman, dem man sich kaum entziehen kann // Die Dinnerparty‘ von Viola van de Sandt, ins Deutsche übersetzt von Heike Reissig, hat es wirklich in sich. Es ist ein Buch, das an vielen Stellen roh, schmerzhaft und verstörend wirkt und das auf sehr eindrückliche Weise Themen wie mentale Gesundheit, patriarchale Gewalt und toxische Beziehung greifbar macht. (…) Ich kann nicht viel über die Story sagen, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten – aber wenn ihr wisst, dass ihr zu bestimmten Themen nichts lesen möchtet, dann schaut euch im Vorfeld auf jeden Fall die Content Note an! Ich möchte aber unbedingt betonen, dass ich van de Sandts Roman handwerklich unglaublich gut fand. Sie spielt virtuos mit Realität und Wahn und macht Francas mentalen Zustand dabei so greifbar, dass man beim Lesen förmlich spürt, wie sich ihre Gedanken auf einen selbst übertragen. Und nicht immer weiß man, was tatsächlich geschieht und was sich ‚nur‘ in Francas Kopf abspielt. Auch wenn ich zu bestimmten Themen am Ende gern mehr gelesen hätte und der Roman mir an einigen Stellen etwas zu vage bleibt, hat mich ‚Die Dinnerparty‘ insgesamt nachhaltig beeindruckt. Weil es ein ebenso schmerzhafter wie offener und verstörender Text ist, dem man sich beim Lesen kaum entziehen kann. Und weil er Themen aufgreift, die ich wahnsinnig wichtig finde. Von mir gibt es deshalb auf jeden Fall eine große Leseempfehlung!“
– Svenjas_BookChallenges auf Lovely Books
„Ein Abend, der alles verändert – packendes Psychogramm zwischen Spannung und Verstörung // ‚Die Dinner Party‘ von Viola van der Sandt ist ein intensiver, psychologisch dichter Roman, der sich langsam, aber unaufhaltsam zuspitzt. Was als scheinbar gewöhnlicher Abend beginnt, entwickelt sich zu einem beklemmenden Kammerspiel, in dem verdrängte Gefühle, alte Verletzungen und unausgesprochene Konflikte eskalieren. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und verbindet Francas Gegenwart in der Therapie mit ihrer Vergangenheit und den Ereignissen der verhängnisvollen Dinnerparty. Diese Struktur fordert Aufmerksamkeit, verstärkt aber gleichzeitig die Spannung, da sich die Wahrheit nur Stück für Stück erschließt. Besonders gelungen ist die Atmosphäre: Die drückende Hitze, der Alkohol und die zwischenmenschlichen Spannungen wirken wie ein Druckkochtopf, der jederzeit explodieren kann. Franca ist keine einfache, aber eine sehr glaubwürdige Protagonistin. Ihre Unsicherheit, ihre unterdrückte Wut und ihr langsamer Kontrollverlust werden eindringlich dargestellt. Dabei verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Realität, was den Roman stellenweise fast wie einen Thriller wirken lässt. ‚Die Dinner Party‘ ist kein leichtes Buch, sondern ein forderndes, teils verstörendes Leseerlebnis. Wer sich darauf einlässt, bekommt jedoch einen vielschichtigen Roman über Beziehungen, Machtverhältnisse und die Frage, wie weit ein Mensch getrieben werden kann, bevor alles kippt.“
– vjohann auf Lovely Books
Leseprobe
Mise en Place
Stella sagt, ich soll einen Brief schreiben. Einen Brief an sie oder jemand anderen, eine Freundin oder einen Freund vielleicht. An jemanden, dem ich vertraue. Ob ich so jemanden hätte?
Ich muss ihn nicht abschicken. Ich kann ihn auch an mich selbst richten. Er muss nicht gelesen werden. Die Worte darin gehören mir, sagt sie. Das wird helfen, fügt sie hinzu. Anzuerkennen, was passiert ist. Es in allen Einzelheiten zu beschreiben, soweit ich dazu in der Lage bin. Zu versuchen, mich daran zu erinnern, statt alles zu verdrängen. Das wird Ihnen helfen, sich zu erholen, sagt sie.
Es gibt nichts, wovon ich mich erholen müsste, erwidere ich. Stella hält dagegen und zählt die ihr bekannten Fakten auf.
Sie stehen in der Akte, die sie jedes Mal hervorholt, wenn wir uns treffen. Alles, was an jenem Abend passiert ist, steht dort schwarz auf weiß, sie liest es mir in sachlichem Tonfall vor.
Alles, woran ich mich erinnern kann, und alles, was ich vergessen habe. Die Fakten spiegeln jedoch nicht wider, wie es sich angefühlt hat, was davor passiert ist oder warum ich tat, was ich tat. Die Fakten liefern keine Erklärung.
Stellas Vorschlag überrascht mich. Ich hätte nicht gedacht, dass sie das Ganze nach nur drei Wochen schon zur Sprache bringen will. Eigentlich hat sie gesagt, dass wir die ersten Sitzungen damit verbringen, uns kennenzulernen. Ich weiß bisher so gut wie nichts über sie.
Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll, gestehe ich.
Fangen Sie am Anfang an, sagt sie. Das ist doch dämlich, erwidere ich. Es gibt nie einen richtigen Anfang, außer ich gehe zurück bis zu meiner Geburt oder, besser noch, bis zur Geburt meiner Eltern, deren Werdegang und Familien, deren Jobs und Kindheitsverletzungen, aber das will doch keiner hören. Eine Biografie, die bei den Großeltern beginnt? Die ersten Kapitel kann man überspringen. Außerdem macht man es sich zu einfach damit, in der Familiengeschichte nach Erklärungen zu suchen. Ich war ja schon erwachsen, als es passierte. Die Entscheidungen gehören mir, ebenso wie die Worte.
Dann fangen Sie beim Höhepunkt an, sagt Stella. Ich ziehe die Braue hoch. Ich hatte keinen Höhepunkt. Das habe ich nicht gemeint, sagt sie. Sondern den Höhepunkt der Ereignisse, Ihre Tat, die Sie hierhergeführt hat. Die Sache mit dem Messer. Schreiben Sie es auf, sagt sie. Schreiben Sie auf, was passiert ist, in einem Brief an sich selbst. Oder an eine Person, die Ihnen nahesteht. Wo Sie anfangen, ist mir egal.
Also gut, Harry. Dann lege ich mal los.
* * *
Ich lasse das Messer auf den Tresen fallen.
Zumindest glaube ich das. Aber vielleicht lasse ich es auch auf den Küchentisch fallen. Er ist mit den Resten des Dinners übersät, das ich zubereitet habe, ein schmutziges Messer passt da ins Bild.
Oder ich lasse es auf den Boden fallen. Mitten in die sich ausbreitende Pfütze von dem klebrigen Zeug, das an der Messerklinge, am Griff, an meiner linken Handfläche klebt.
Oder ich reinige das Messer mit Spülmittel, trockne es mit dem Rosenknospen-Geschirrtuch ab und stecke es in den Block zurück. Als wäre nichts passiert. Als wollte ich Beweise vernichten.
Ich kann mich nicht erinnern. Seltsam. Es ist doch erst ein paar Monate her. Ich bin jung. Habe nie Drogen genommen.
Trinke auch nicht mehr so viel wie damals. Rede seitdem mit Leuten, Ärzten, Therapeuten. Mein Kopf funktioniert. Ich gehe diesen Moment seither immer wieder durch, kann kaum noch an etwas anderes denken. Also sollte ich mich doch an alles erinnern können!
Kann ich aber nicht. Jedes Mal ändert sich eine Kleinigkeit, dann noch eine, und so geht es immer weiter, bis ich zig verschiedene Versionen von den letzten Augenblicken jenes Abends im Kopf habe. Ich lasse das Messer auf den Küchentresen, auf den Tisch, auf den Boden fallen. Ich reinige das Messer, trockne es ab, lege es zurück in die Schublade. Ich reinige das Messer nicht, weil es sauber ist. Und meine Hand ist auch nicht klebrig. Da ist keine Pfütze auf dem Boden.
Doch, da ist eine Pfütze! Da bin ich mir sicher. Ich backe einen Kuchen. Im Rezept steht, dass man für die Glasur geschmolzene Schokolade mit Sahne verrühren soll, aber die Masse, die ich zubereite, ist zu flüssig. Sie ergießt sich über den Kuchen hinweg auf den Tisch und tropft auf den Boden.
Aus dem Esszimmer ertönt betrunkenes Gejohle, gefolgt von einem Klirren, dann kommt einer von ihnen in die Küche getorkelt. Er hat eine Serviette um die Hand gewickelt, in der anderen hält er eine Scherbe von der Vitrinentür der Hausbar.
Kann ich ein Pflaster haben. In einem anderen Moment, etwas früher an jenem Abend, schneide ich mir selbst in den Finger, also muss Blut auf dem Boden sein, und Schokolade, und mein eigenes Blut vermischt mit fremdem Blut – ich werde von diesen Details überwältigt, doch sie bringen mir keine Klarheit. Sobald ich nach ihnen greife, zerbröseln mir die Gewissheiten zwischen den Fingern, werden von der Zeit verzerrt, und mein Körper erinnert sich an ganz unterschiedliche Dinge mit allen möglichen Namen.
* * *
Es beginnt eine Woche vorher. Freitagabend, Wohnzimmersofa. Ich habe ein Notizbuch im Schoß, ein ledergebundenes von Moleskine, und sogar schon lustlos etwas hineingekritzelt, die Skizze einer langweiligen Kurzgeschichte, die ich zu schreiben versuche. Andrew hat sich mit seinem MacBook, seinem iPad und seinem iPhone umgeben und arbeitet sich durch seine E-Mails. Im Hintergrund läuft Netflix, ich schaue mir mal wieder The Crown an. Oder, besser gesagt, ich starre auf Vanessa Kirbys Beine, während ich mir noch ein Glas Merlot einschenke.
Andrew ergreift das Wort, ohne den Blick von seinem Computer abzuwenden. (…)


